Sonja Bongers MdL

Corona-Gespräche | 02

Heute zu Gast: Jana Kluß, Erzieherin und pädagogische Fachkraft im Ganztag an einer Oberhausener Grundschule

Die Erzieherin und Studentin der Sozialarbeit an der EvH RWL berichtet über ihre Erfahrungen in der Schule, die Anforderungen aus dem NRW-Schul-Ministerium und dem tatsächlichen Alltag in Corona-Zeiten.

Sonja Bongers: Wie würden Sie Ihre Arbeit in Corona-Zeiten charakterisieren?

Jana Kluß: Die Arbeit unter Corona-Bedingungen ist viel ungewisser und mit mehr Herausforderungen verbunden als bei meinen vorherigen Erziehertätigkeiten.

Sonja Bongers: Wie reagieren die Kinder auf die schwierige Situation durch Corona?

Jana Kluß: Trotz der vielen Veränderungen gehen die Kinder mit der Situation gut um. Das Tragen der Maske ist für die Kinder meist weniger ein Problem als für die Erwachsenen. Schwieriger für die Kinder ist, dass sie sich in einer festen Gruppe aufhalten müssen. Früher waren es die Kinder gewohnt, untereinander zu spielen und sich zu bewegen, das geht heute durch die Gruppeneinteilung nicht mehr.

Sonja Bongers: Wie sieht konkret Ihre Arbeit aus?

Jana Kluß: Im Vormittagsbereich unterstütze ich die Kinder bei der Lernzeit. Sie bearbeiten die von den Lehrern gestellten Aufgaben, die die Nicht-Betreuungskinder zu Hause bearbeiten. Im Mittagsbereich bieten wir Freizeitangebote an, die wir – unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen – versuchen so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten.

Sonja Bongers: Kommen die Kinder denn damit klar, wenn Sie sich am Vormittag mit ihnen hinsetzen und lernen?

Jana Kluß: Ja, sie kommen damit zurecht. Das Konzept der Lernzeit kennen die Kinder ja auch schon aus dem normalen Betreuungsalltag. Allerdings müssen sie sich jetzt für einen längeren Zeitraum intensiv mit ihren Aufgaben beschäftigen. Wenn die Konzentration bei den Kindern nachlässt, machen wir eine Bewegungspause.

Sonja Bongers: Können Sie denn bei Ihrer Arbeit auf Laptops oder Tablets zurückgreifen und eventuell Material der Lehrer nutzen?

Jana Kluß: In den letzten zwei Wochen der Notbetreuung wurden uns Tablets zur Verfügung gestellt. Damit haben die Kinder Online-Aufgaben bearbeitet und sie konnten an Videokonferenzen der Klassenlehrer teilnehmen. Natürlich hatte nicht jedes Kind ein Tablets zur Verfügung, was die Organisation schwierig gestaltete.

Sonja Bongers: Gibt es denn genügend Personal, um überhaupt vernünftig betreuen zu können?

Jana Kluß: Schul- und OGS-Leitungen stellen sicher, dass genügend Personal vor Ort ist. Krank werden sollte allerdings keiner…

Sonja Bongers: Wie bewerten Sie die Rolle der Politik?

Jana Kluß: In der Theorie waren die Vorgaben des Schulministeriums meist gut gedacht, doch die praktische Umsetzung war schwierig. Ich habe gemerkt wie hart Schul- und OGS-Leitung dafür gearbeitet haben, um die Vorgaben umsetzen zu können.

Sonja Bongers: Fühlen Sie sich belastet?

Jana Kluß: Durch die häufige Neuorganisation des OGS-Alltags ist natürlich immer irgendetwas anders, das ist schon belastend. Dennoch muss ich sagen, dass trotz dieser widrigen Umstände die Zusammenarbeit gerade auch mit den Lehrkräften gut klappt. Der Zusammenhalt ist gut.

Sonja Bongers: Gibt es die Angst sich zu infizieren oder prallt das an Ihnen ab?

Jana Kluß: Ja, die Angst gibt es natürlich – allein durch die Vielzahl der Kontakte im Arbeitsalltag.

Sonja Bongers: Würden Sie sich impfen lassen?

Jana Kluß: Auf jeden Fall. Nicht nur um mich, sondern auch um das Umfeld zu schützen. Ich denke auch an meine Kollegen, einige gehören zur Gruppe der Risikopatienten.

Sonja Bongers: Was würden Sie sich für die OGS wünschen?

Jana Kluß: Vorgaben des Ministeriums die praxisnah umsetzbar sind.

Sonja Bongers: Was machen Sie als erstes nach der Pandemie?

Jana Kluß: Endlich mal wieder mit allen aus der Familie zusammen sein.

Die Gesprächsreihe wird fortgesetzt.

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