Sonja Bongers MdL

Corona-Gespräche | 04

Heute zu Gast: Uschi Wischermann, Hotelbesitzerin in dritter Generation

„Mit gezieltem Stadtmarketing aus der Krise“

Die Gastronomie und Hotelbranche ist mit am massivsten in ihrer Existenz bedroht. Im Gespräch mit Sonja Bongers reflektiert Uschi Wischermann, Hotelbesitzerin in dritter Generation, engagierte Vertreterin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DeHoGa) und überzeugte Oberhausenerin, die derzeitigen Herausforderungen, sucht kreative Lösungen und verzweifelt manchmal am Handeln der Politik.

Sonja Bongers: Die Pandemie läuft jetzt seit gut einem Jahr. Für die Gastronomie und das Hotelgewerbe ist die Lage kritisch. Haben Sie konkrete Vorschläge, wie man mit gezielten Maßnahmen die Ausfälle zumindest etwas abmildern kann?

Uschi Wischermann: Wir sind jetzt an einem Punkt in der Pandemie, wo wir sagen, was kann Oberhausen denn nun wirklich ändern, um die die Situation für unsere Branche zu verbessern. Dazu haben wir Arbeitskreise mit der DeHoGa gebildet, an der auch die Geschäftsführung der Dehoga beteiligt war. Dabei sind dann einige konkrete Maßnahmen herausgekommen.

Sonja Bongers: Welche wären das?

Uschi Wischermann: Es gibt ja den Corona-Fond für Kommunen. Aber der hat so viele Hürden, dass er kaum abgerufen wird. Meines Wissens sind da noch rund 1,6 Millionen Euro, die für Hilfen in Oberhausen zur Verfügung stehen. Und da haben wir die Idee mit dem Gastrogutschein entwickelt. Den gibt es inzwischen zum Beispiel auch in anderen Städten wie Mönchengladbach. Dieser Gutschein wäre so ausgestattet, dass die Stadt 20 Prozent bei Erwerb eines Gutscheins, der in Freizeitattraktionen eingelöst werden kann, zuzahlt. Also bei 100 Euro erstattet Oberhausen 20 Euro. Das ist für Konsumenten durchaus attraktiv. Immerhin sind das 20 Prozent. Das Gute dabei ist, es wäre eine Art Signal, so dass daraus eine positive Meldung entsteht. So nach dem Motto, seht her wir unterstützen. Das Zweite, das wir uns überlegt haben, ist es der Politik vorzuschlagen, 500.000 Euro in die gezielte Werbung und Stadtmarketing zu investieren, um Leute nach Oberhausen zu holen. Jeder Gast lässt Geld in der Stadt und das hätte eine enorme Hebelwirkung.

Sonja Bongers: Hat Oberhausen eigentlich zu viele Hotels?

Uschi Wischermann: Das Metronom-Theater ist weggebrochen, MAN schwächelt, die Übernachtungszahlen gehen runter. Die Idee ein Luxushotel am Centro zu planen, halte ich für falsch.

Sonja Bongers: Sie sind ja bekannt dafür, Tariflöhne zu zahlen. Wie geht man in dieser Krise denn dann damit um?

Uschi Wischermann: Ja, das war schon schwierig. Ich habe im November und Dezember das zustehende Weihnachtsgeld und den noch ausstehenden Urlaub bezahlt. Das war schon hart und hat viel gekostet. Aber unseren Leuten steht das zu. Ein Kollege sagte zu mir, warum ich das machen würde und ich verwies ihn auf den bestehenden Tarifvertrag.

Sonja Bongers: Was würden Sie der Politik mit auf den Weg geben?

Uschi Wischermann: Ach da gibt es so einiges. Viele Entscheidungen sind für den Bürger schwer nachzuvollziehen. Warum kann ich keine Ferienwohnung mieten, warum kann ich nicht mobil sein? Was ich beispielsweise überhaupt nicht verstehe ist, dass unsere Außengastronomie gleich gesetzt wird mit Theater und Kino. Dass man die Restaurants und Kneipen drinnen nicht geöffnet lässt, ist ja noch nachzuvollziehen, obwohl ich da auch auf Abstand gehen kann, aber die Außengastronomie, das kann ich nicht verstehen?

Sonja Bongers: Da ist ja die Bundespolitik gefordert, aber was könnte denn jetzt schon in Oberhausen konkret getan werden, um für die Zeit nach der Pandemie, gerüstet zu sein?

Uschi Wischermann: Es wäre immens wichtig, dass im Metronom-Theater wieder etwas passiert, um auch die Vermarktung wieder anzutreiben. Da muss eine dauerhafte Produktion rein und die Stadt sollte da Druck machen. Ich glaube, da ist noch nichts passiert. Ich weiß nicht, ob die Wirtschaftsförderung da schon etwas plant. Der Betreiber Stage lässt das Gebäude leer stehen und signalisiert keinen Verkauf. Offenbar wollen die amerikanischen Unternehmer der Konkurrenz keine Möglichkeit bieten, in den Markt hier einzusteigen.

Sonja Bongers: Gibt es denn in dieser Pandemie einen Zusammenhalt unter den Hoteliers in Oberhausen und wie ist die Lage der anderen Betreiber?

Uschi Wischermann: Die Hoteliers untereinander haben einen engen Kontakt untereinander. Aber Hotels wie das „Mercure“ in Oberhausen haben zum Beispiel inzwischen zu. Andere versuchen mit Kampfpreisen von 50 Euro pro Doppelzimmer zu bestehen. Das können wir gar nicht. Das rechnet sich nicht. Die machen damit den Markt kaputt.

Sonja Bongers: Wir hoffen ja alle, dass Corona irgendwann in absehbarer Zeit Geschichte sein wird. Was machen Sie als erstes nach dem Ende der Pandemie?

Uschi Wischermann: Mit Freunden zusammen sein und einfach mal wegfahren.

Die Gesprächsreihe wird fortgesetzt.

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