{"id":9947,"date":"2021-04-06T09:43:51","date_gmt":"2021-04-06T07:43:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/?p=9947"},"modified":"2021-05-04T15:01:50","modified_gmt":"2021-05-04T13:01:50","slug":"9947","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/2021\/04\/06\/9947\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/banner-mdl-sonja-bongers-corona-gespraeche.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-9855\" src=\"http:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/banner-mdl-sonja-bongers-corona-gespraeche.png\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/banner-mdl-sonja-bongers-corona-gespraeche.png 700w, https:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/banner-mdl-sonja-bongers-corona-gespraeche-300x94.png 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<header class=\"sb-entry-header\">\n<h1 class=\"sb-headline\">Corona<span class=\"sb-light\">-Gespr\u00e4che | 06<\/span><\/h1>\n<h3 class=\"sb-crossheading\" style=\"font-size: 32px !important;\"><span class=\"sb-light\">Heute zu Gast: <\/span>Michael Kreuzfelder<span class=\"sb-light\">, Direktor des Caritasverbandes Oberhausen<\/span><\/h3>\n<\/header>\n<h2 class=\"sb-interview-subheadline\">&#8222;Die negativen sozialen Folgen durch Corona sieht man jetzt erst in Andeutungen&#8220;<\/h2>\n<p class=\"sb-zur-person\"><em>Michael Kreuzfelder ist Direktor des Caritasverbandes Oberhausen und derzeit Sprecher der Wohlfahrtsverb\u00e4nde in Oberhausen. Mit ihm sprach ich \u00fcber die Rolle der Sozialverb\u00e4nde in der Pandemie, \u00fcber Tarifvertr\u00e4ge und den besonderen Druck, der auf Mitarbeiter im Sozialwesen lastet.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_9945\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/caritas-michael-kreuzfelder-lg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9945\" class=\"size-full wp-image-9945\" src=\"http:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/caritas-michael-kreuzfelder.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"190\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9945\" class=\"wp-caption-text\">Michael Kreuzfelder ist Direktor des Caritasverbandes Oberhausen und derzeit Sprecher der Wohlfahrtsverb\u00e4nde in Oberhausen<\/p><\/div>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Als Caritas sind Sie ja nah an den Leuten. Sie und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erleben die Corona-Krise wahrscheinlich nochmals deutlicher als Menschen, die nicht im Sozialbereich arbeiten. Wie beurteilen Sie jetzt nach einem Jahr Corona die Lage und was sagen Sie ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Michael Kreuzfelder: <\/span> Tja das \u00fcberlegen wir auch permanent. Was k\u00f6nnen wir f\u00fcr die Belegschaft tun, damit die Stimmung nicht kippt? Wo k\u00f6nnen wir unseren Leuten helfen? Eins ist klar: Wir m\u00fcssen achtsam miteinander sein. Es ist gerade \u00fcberall im sozialen Bereich eine absolute Ersch\u00f6pfung und Erm\u00fcdung festzustellen. Und das gilt f\u00fcr alle Arbeitsfelder, sei es zum Beispiel ambulant betreutes Wohnen, Offener Ganztag oder die Kitas.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Die Caritas in Oberhausen ist in vielen Bereichen aktiv. Einer der Arbeitsschwerpunkte, der insbesondere jetzt in der Pandemie oft im Mittelpunkt steht, ist der der Kitas. Wie sch\u00e4tzen Sie dort die derzeitige Lage in Oberhausen ein?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Michael Kreuzfelder: <\/span> Also vorab, der Krisenstab in Oberhausen macht gute Arbeit. Aber was die unterschiedlichen Anforderungen der unterschiedlichen Beh\u00f6rden von Land und Kommune angeht, ist das eher schwierig. In D\u00fcsseldorf will man, dass wir irgendwie die Situation meistern, die Gesundheits\u00e4mter machen uns aber klare Vorgaben hinsichtlich der Hygienestandards. Oftmals sind die Anweisungen widerspr\u00fcchlich. Verantwortung wird auf dem R\u00fccken der Tr\u00e4ger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Eltern und Kitas abgeladen. In D\u00fcsseldorf sitzen Juristen in den Ministerien, die halten die Verantwortung von ihren H\u00e4usern fern und das ist keine gute Einstellung, um gemeinsam eine Pandemie zu meistern. Das kommt bei den Besch\u00e4ftigten und Eltern genauso an. Die f\u00fchlen sich h\u00e4ufig im Stich gelassen. F\u00fcr diese Situation machen wir hier alle zusammen in Oberhausen glaube ich einen wirklich tollen Job.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Mit welchen Folgen rechnen Sie durch die Pandemie und kann man vielleicht auch etwas Positives aus dieser Pandemie f\u00fcr eine Gesellschaft zeihen?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Michael Kreuzfelder: <\/span> Die negativen soziale Folgen durch Corona sieht man jetzt erst in Andeutungen. Ein Beispiel: Kinder die jetzt in die Kita zur\u00fcckkehren, die haben ein Jahr verloren. Wir sehen soziale und Entwicklungsr\u00fcckschritte bei manchen Kindern. Oder beobachten Menschen mit Behinderung, die sich zur\u00fcckgezogen haben oder Leute mit psychischen Erkrankungen, die nicht mehr am Leben teilhaben. Ich muss sagen, mir f\u00e4llt es aus sozialer Sicht schwer, etwas Positives aus dieser Pandemie zu ziehen. Diejenigen, deren Leben eh schon schwierig war, haben es noch weiter schwerer.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Kann man schon beziffern, wie gro\u00df der finanzielle Verlust ist, den ein Verband wie die Caritas in Oberhausen verbuchen muss?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Michael Kreuzfelder: <\/span> In der gesamten Branche sind zwei Trends deutlich: h\u00f6here Ertragsausf\u00e4lle und nicht oder nur teilweise kompensierte Mehrkosten durch Coronaschutzauflagen. Gleichzeitig reichen die \u00f6ffentlichen Programme f\u00fcr die Ausf\u00e4lle nicht aus. Der negative wirtschaftliche Effekt in 2020 bel\u00e4uft sich allein bei uns auf rund 500.000 Euro. Wir betreiben etwa mit dem &#8222;Bistro Jederman&#8220;, wo Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten, Gastronomie und haben wie alle anderen. Die Geh\u00e4lter laufen weiter, der Betrieb bleibt eingeschr\u00e4nkt. Menschen mit psychischer Erkrankung ziehen sich zur\u00fcck, obwohl sie eigentlich einen h\u00f6heren Bedarf haben, die Mitarbeiter bleiben nat\u00fcrlich am Ball, k\u00f6nnen aber keine Leistung abrechnen.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Inwieweit beeinflusst das die Planungen?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Michael Kreuzfelder: <\/span> Massiv, es kann einfach nicht vern\u00fcnftig geplant werden. Wir haben 146 verschiedene Einnahmequellen in unserem Verband, die alle sehr unterschiedlich sind. Wir priorisieren, was l\u00e4uft weiter, was steht auf der Kippe, was ist auf rot, also f\u00e4llt derzeit weg. Vor allem sorgen wir uns als Verb\u00e4nde darum, was nach der Pandemie kommt, n\u00e4mlich vermutlich Einsparungen im sozialen Bereich in dem wir jetzt aber mehr br\u00e4uchten.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Wie sieht es mit K\u00fcndigungen aus? Konzerne und Unternehmen greifen oftmals zu solchen Mitteln.<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Michael Kreuzfelder: <\/span> Wir haben in der Coronakrise niemanden betriebsbedingt gek\u00fcndigt und die Kurzarbeit auf einem Minimum gehalten. Auch von anderen Tr\u00e4gern ist mir derzeit nichts anderes bekannt.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> In den vergangenen Tagen stand die Caritas ziemlich in der Kritik bez\u00fcglich desgemeinsamen Pflegetarifvertrages. Wie sch\u00e4tzen Sie das Scheitern dieses gemeinsamen Pflegtarifvertrages ein und wie beurteilen Sie die Rolle der Petitionsplattform campact, die ja mit federf\u00fchrend in der Diskussion dabei war?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Michael Kreuzfelder: <\/span> Wir als Caritas Oberhausen bieten keine Dienste der Altenpflege an. Dennoch m\u00f6chten wir hierzu klar Position beziehen, denn die Verunsicherung und die Irritationen sind einerseits verst\u00e4ndlich, denn in den Ver\u00f6ffentlichungen fehlen meist die Informationen zu den Hintergr\u00fcnden der Entscheidung. Fakt ist, dass sich die Caritas seit Jahren f\u00fcr bessere Bedingungen in der Pflege einsetzt. Zudem richtet sich der Appell von Campact an den falschen Adressaten: Die Kampagne macht die Caritas zum S\u00fcndenbock f\u00fcr schlechte L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen in Pflegeeinrichtungen, die nichts mit der Caritas zu tun haben. Die Caritas sorgt \u2013 und das wird auch von den Gewerkschaften anerkannt &#8211; bereits f\u00fcr eine hohe Tarifbindung, faire Bezahlung und gute Bedingungen f\u00fcr alle Pflegerinnen und Pfleger. Es sollten vielmehr diejenigen in den Fokus genommen werden, den Pflegekr\u00e4ften niedrige L\u00f6hne zahlen, die sich Tarifvertr\u00e4gen verweigern.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Was war die Hauptsorge bei der Caritas?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Michael Kreuzfelder: <\/span> Entscheidend ist hier die Arbeitsrechtliche Kommission auf Bundesebene. Dort gab es die Sorge, dass dieser Tarifvertrag die guten L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen bei der Caritas gef\u00e4hrdet. Die Caritas besch\u00e4ftigt in der Altenpflege 170.000 Menschen und wir wollen, dass sie weiterhin fair entlohnt werden. In Zeiten knapper Kassen k\u00f6nnte ein allgemeinverbindlicher Minimaltarif zum Ma\u00df der Refinanzierung der Kosten werden. Das hei\u00dft, die Kostentr\u00e4ger k\u00f6nnten sich an den minimalen Tarifen orientieren und den Caritas-Diensten nicht mehr die h\u00f6heren Kosten des Caritas-Tarifvertrages AVR zahlen. Die Mehrkosten w\u00fcrden auf die Tr\u00e4ger umgew\u00e4lzt, das System w\u00fcrde sich nicht mehr tragen.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Was w\u00e4re denn Ihre Idee um die Probleme bei der Entlohnung im Pflegebereich angemessen zu l\u00f6sen?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Michael Kreuzfelder: <\/span> Alle Pflegekr\u00e4fte sollten auf dem Niveau der Caritas entlohnt werden. Dazu geh\u00f6ren neben einen h\u00f6heren Stundenlohn, eine gute betriebliche Altersvorsorge und angemessene \u00dcberstundenregelungen. Die Pflege muss aber auch bezahlbar bleiben. Pflegebed\u00fcrftige und ihre Angeh\u00f6rigen m\u00fcssen sich gute Pflege leisten k\u00f6nnen. Daf\u00fcr m\u00fcssen die Pflegebeitr\u00e4ge gedeckelt und die aktuelle Pflegeversicherung zu einer echten Teilkaskoversicherung umgebaut werden. Auch sollte endlich Schluss mit Dumpingl\u00f6hnen sein. In Zukunft sollten Unternehmen Pflege nur anbieten d\u00fcrfen, wenn sie ihre Mitarbeitenden nach Tarif bezahlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Corona-Gespr\u00e4che | 06 Heute zu Gast: Michael Kreuzfelder, Direktor des Caritasverbandes Oberhausen &#8222;Die negativen sozialen Folgen durch Corona sieht man jetzt erst in Andeutungen&#8220; Michael Kreuzfelder ist Direktor des Caritasverbandes&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[315,278,109],"tags":[586,580,525,539,392,297,584,582,585,581,583],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9947"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9947"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9947\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9947"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9947"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sonja-bongers.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9947"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}